Dialekt-Lesung am Donnerstag, 31. Oktober 2024
um 19 Uhr (!) im Café Anno
Katherina Braschel
Herndln schnitzn
Es gibt das Finstere auf den Wegen zum Bus, in das man lieber nicht hineinschaut, zwischen Mülltonnen und Hauseingängen – das Finstere, das im November herauskommt und dir seine geschnitzte Zunge herausstreckt. Das, das dich rennen macht, bis dir die feuchtkalte Luft in die Brust schneidet, während du hinten im O-Bus durchgeschüttelt wirst.
Aber es gibt auch das Mario Kart-Fahren im Dezember, vor etwas davon, auf etwas hin, aber jedenfalls immer noch nicht so gut, dass du beim Verlieren wenigstens hupen könntest.
Und dann gibt es noch das Naherholungsgebiet, in dem jetzt auch wirklich jemand spazieren geht und ein Tupper-Gschirrl. Texte über Ängste, die sich festwachsen, über den kleinen Spar an der Autobahnabfahrt, der bald zusperrt, und über das Gefühl von Kuhglocken, das man nicht mehr loswerden kann.
Katherina Braschel wurde 1992 in Salzburg geboren und lebt und arbeitet als freie Schriftstellerin in Wien. Sie ist zudem Kulturveranstalterin, Redaktionsmitglied bei „& Radieschen“ und der Dialekt-Zeitschrift „Morgenschtean“ und gibt Schreibworkshops für Menschen in jedem Alter. Diverse Preise und Stipendien sowie Veröffentlichungen, zuletzt der Limburg Preis 2022 und der Franz-und-Eugenie-Kain-Literaturpreis 2024.
2024 verbrachte sie vier Monate als Writer in Residence der Max Kade Foundation an der Bowling Green State University, Ohio.
Ihr Debüt es fehlt viel erschien 2020 in der Edition Mosaik.
www.katherinabraschel.com
Mit freundlicher Unterstützung von Basis Kultur Wien, dem Bezirk Josefstadt und dem Bundesministerium Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport
Lesung am Sonntag, 3. November 2024
um 19 Uhr (!) im Café Anno
Stefan Micke
Von der Schwierigkeit zu lügen
Der nach Ablehnung seines Staatsbürgerschaftsantrags heimatlose Schriftsteller Stefan Micke liest aus seinem fiktiven Buch „Von der Schwierigkeit zu lügen“.
Alle Kapitel sind streng autobiographisch und handeln von den wichtigsten Ereignissen seines Lebens: Den Begegnungen mit Queen Margot und den drei apokalyptischen Reitern, dem Tag, als der Papst persönlich vorbeikam, um ihm eine Höllenfeuerversicherung zu verkaufen, dem anderen Tag, als ihm Klaus Wowereit aus einer Club-Mate-Flasche erschienen ist, dem Konzert, das die Rolling Stones in seiner Küche gegeben haben, seiner Tätigkeit als Diktator und natürlich dem Zusammentreffen mit Marcel Reich-Ranicki, dessen Tritt gegen sein Schienbein sein Leben verändert hat.
Dass er die Welt auch das eine oder andere Mal vor dem Untergang bewahrt hat, versteht sich da fast von selbst.
Mit freundlicher Unterstützung vom Bezirk

