Dialekt-Lesung am Donnerstag, 6. November 2025
um 19 Uhr im Café Anno
Simon Scharinger & Christine Gnigler
„Das Wüste zwischen den Ohren“
Christine Gnigler und Simon Scharinger – eigentlich aus recht unterschiedlichen künstlerischen Gefilden stammend – machen an diesem Abend erstmals gemeinsame Sache und lesen sich einen eigens dafür angeschafften Pelz von der Zunge. In einer Art Zwiegespräch behandeln sie das Wüste zwischen den Ohren: das Unerhörte und Unausgesprochene, die Gedankenwirren und Ängste in ihren Köpfen. 2 Stimmen, 1 Dialekt und der Versuch einer gemeinsamen Sprache.
Christine Gnigler (*1991) ist Blockflötistin, Barockfagottistin, Sängerin und was sich sonst noch so ergibt. Sie lebt in Wien und studierte Blockflöte bei Thomas List sowie Historische Fagottinstrumente bei Jennifer Harris. Neben Alter Musik erstreckt sich ihr musikalisches und künstlerisches Metier auch über zeitgenössische und improvisierte Musik, Performance, sowie Sprachkunst und Komposition. Sie ist Teil des Kollektives Frau*feld, das sich für die Hör- und Sichtbarmachung von Musikerinnen* einsetzt. Seit 2024 hat sie an der Kunstuniversität Graz die Professur für Historische Fagottinstrumente inne.
Simon Scharinger, 1991 in Schärding (OÖ) geboren und aufgewachsen, seit 2011 in Wien lebend. Von 2015 bis 2019 Studium der Schauspielregie am Max Reinhardt Seminar absolviert. Musikalischer Bestandteil der A-cappella-Boygroup Gesangskapelle Hermann und des Duos Ana Schena Ois Da Aundare. Seit der Saison 21/22 im Wiener Musikverein für diverse Kinderprogrammpunkte zuständig. Publikationen in Anthologien und Literaturzeitschriften. Nominiert für den Retzhofer Dramapreis 2025.
Mit freundlicher Unterstützung von Basis Kultur Wien, dem Bezirk Josefstadt und dem Bundesministerium Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport
Lesung am Sonntag, 9. November 2025
um 19 Uhr im Café Anno
Katherina Braschel
„Brennen. Lassen.“
Jakob lächelt, lächelt seine Töchter an, während er sagt „Aber jede nur noch ein Mal, dann kann ich nicht mehr“, aber Laura kennt ihn zu gut, sieht, dass er nur seine Mundwinkel hochgezogen hat, dass er die beiden anlächeln will, es ihm aber nicht gelingt, sieht die Verzweiflung in seinen Augenwinkeln, da, wo sonst seine Lachfalten beginnen. Sie schluckt. Für einige Sekunden bleibt Laura einfach dort in der Tür stehen, bleibt in Jakobs Gesicht, in Jakob, bis sich irgendwann die Hitze der Auflaufform in ihren Händen bemerkbar macht, sie sich von diesem Gefühl in ihr losreißt und „Essen!“ ruft.
„Das geht so nicht mehr weiter“, denkt Laura, spürt dabei das Echo all der Male, in denen sie das schon gedacht hat in sich, und nimmt sich vor, nach dem Abendessen und Duschen noch einmal mit Jakob zu reden, wieder einmal, diesmal richtig.
Laura und Jakob wollten alles richtig machen, haben alles richtig gemacht und doch. Doch ist da Lauras Daunendecke im Müll und Jakobs Kalender mit den Atemübungen, eine Eisbärenfamilie aus Plastik am Schreibtisch, die niemand wieder aufstellt, weil es egal ist, Lauras routinierte, warme Hand auf dem Rücken und Jakobs Frisur, der man den guten Friseur ansieht.
Ein Text über das Können und Nicht-Mehr-Können, über die Umstände, die man bedenkt und die anderen, die sich einschleichen. Darüber, was es kostet, hinzusehen und für welches Hinsehen es Worte gibt.
Außerdem: ein kleiner extra Text am Schluss, ein Plus-Eins quasi.
Katherina Braschel (*1992), lebt und arbeitet als freie Schriftstellerin in Wien. Diverse Preise, Stipendien sowie Veröffentlichungen, zuletzt 2024 der Franz-und-Eugenie-Kain-Literaturpreis und das Max Kade Aufenthaltsstipendium in Bowling Green, Ohio. Sie ist Redaktionsmitglied des „& Radieschen“ und des „Morgenschtean“.
2020 erschien „es fehlt viel“ in der Edition Mosaik, im Januar 2026 erscheint ihr Debütroman „Heim holen“ im Residenz Verlag. Darin widmet sie sich den Leerstellen in der NS-Geschichte der Donauschwaben, der ehemaligen deutschsprachigen Minderheit am Balkan und verbindet familienhistorische Recherche mit der Frage, wie mit Erinnerung(en) umzugehen ist. (https://www.residenzverlag.com/buch/heim-holen)
https://www.katherinabraschel.com/
Mit freundlicher Unterstützung vom Bezirk

